Wie wir aufs Wohnmobil kamen.

Die Anfänge unseres Wohnmobilisten Daseins gehen bis 1981 zurück. Ich war zu dieser Zeit bei der Luftwaffe als Zeitsoldat.
Das Angenehme , Soldat bei der Luftwaffe zu sein, bestand auch darin, viele Lehrgänge und Verwendungen im Ausland bestreiten zu dürfen. Ich hatte das große Glück, daß ich oft meine Zeit in Texas, genauer in El Paso verbringen durfte.

Einer der Lehrgänge dauerte 14 Monate und ich durfte mein frisch angeheiratetes Frauchen mitnehmen. Wir bekamen in dieser Zeit auch Gelegenheit Land und Leute kennen zu lernen. Wir unternahmen viele Wochenendtripps in alle Richtungen. Aufgrund der riesigen Entfernungen zwischen den einzelnen Reisezielen , schaffte man am Wochenende nur die Strecke, bis maximal Los Angeles .
Über Weihnachten und Neujahr hatten wir 2 Wochen frei und es bot sich an, einmal eine weitere Strecke unter die Räder zu nehmen. Mit einer befreundeten Familie beschlossen wir gemeinsam auf Reise zu gehen.
Ein Wohnmobil erschien uns das am besten geeignete Fortbewegungsmittel.
Wir mieteten uns also ein riesiges , amerikanisches WoMo , mit allem Komfort, den so ein Ami Dickschiff bietet.

tx12

Irgendwo in Texas mit unserem Ami Dickschiff.

Schon vor 20 Jahren war die Infrastruktur für Wohnmobile einfach einmalig. An fast allen Autobahnraststätten gab es Entsorgungsstationen. Man durfte überall frei stehen, wo es einem gefiel. Das war natürlich nicht immer ganz ungefährlich und eine Winchester 30/30 stand Nachts immer geladen an der Tür.
Gott sei Dank brauchten wir sie nie einzusetzen.
Wir sind aber auch , besonders in den großen Städten, immer auf Campingplätze gefahren. Einfach, weil es sicherer war und zweitens waren diese Plätze sehr gut ausgestattet . An jedem Stellplatz gab es eine komplette Versorgungseinrichtung , so genannte “Hug Up´s” mit Strom, Wasser, Abwasser und Gas Anschluss.

Vielleicht noch einen Tip an unsere “Freunde” die Campingplatz Betreiber. Schaut doch einmal über den großen Teich was man dort den Wohnmobilisten auf Campingplätzen so alles bietet.
Folgt dem dortigen Beispiel , dann werden sicher auch einige Wohnmobilisten eure Plätze ansteuern und Ihr habt keinen Grund mehr euch über Wohnmobil-freundliche Städte und Gemeinden aufzuregen !

Uns haben jedenfalls diese zwei Wochen im Wohnmobil so gut gefallen,daß wir den Entschluss gefasst haben , das Ganze in Deutschland auch einmal auszuprobieren.

Zurück in Deutschland mußten aber noch einige Jahre ins Land gehen, bevor wir uns den Traum Wohnmobil-Urlaub erfüllen konnten.
Zuerst mußten wir uns ein Nest bauen, was erheblich auf den Geldbeutel drückte und dann sagte sich noch Oliver an.
In diesen entbehrungsreichen und mageren Jahren haben wir es uns aber nicht nehmen lassen, Camping Urlaub zu machen, halt mit Dackelgarage, anstatt mit einem bequemen Wohnmobil.

Die Reise führte uns von El Paso aus nach Süden, immer dem Rio Grande entlang. Dann weiter durch Louisiana und New Orleans. Und wieder zurück, quer durch Texas über Houston und Dallas. Die Zeit verging wie im Fluge und es war einfach traumhaft in einem solchen Wohnmobil durch die unendlichen Weiten der US-Südstaaten zu reisen.

Auch die Kinder unserer Freunde fanden das WoMo riesig.
Lars und Andrea, erinnert Ihr euch noch. ?

Abendstimmung in Texas 1981

1989 war es dann endlich so weit.

Gemeinsam mit meinem Schwager und seiner Familie , mieteten wir uns einen riesigen LMC , mit 7,20 Länge.
Die Reise sollte über Frankreich nach Spanien gehen.

Unsere erste WoMo Reise war gut geplant und bis aufs Letzte ausgetüftelt.
Aber meist kommt es anders als man sich das so ausgedacht hat. Es begann schon, als ich das Fahrzeug beim Händler abholen wollte. Natürlich war das Fahrzeug am vereinbarten Termin noch nicht da und wir wurden etwas vertröstet. Aus dem Etwas wurden dann zwei volle Stunden.
Als das Fahrzeug endlich zurück gebracht wurde, konnten wir es dann nach einer kurzen Einweisung übernehmen.
Leider fiel eine geplante Inspektion flach, da der Händler meinte, das sei ein neues Fahrzeug , hätte erst 7500 Km gelaufen und es sei alles in Ordnung.

Frohen Mutes und in bester Urlaubslaune , ging es dann erst zu uns nach Hause, zum Packen.
Anschließend zu meinem Schwager. Nachdem ich meine Schwägerin davon überzeugt hatte, daß wir keine Koffer brauchen, waren auch deren Habseligkeiten schnell in den riesigen Stauräumen des LMC verschwunden und es konnte endlich losgehen.

Oliver , noch ein kleiner Knirps von 3 Jahren, konnte es kaum erwarten, mit dem WoMo auf Reise zu gehen.

Unser LMC. An den genauen Typ kann ich mich nicht mehr genau erinnern, jedenfalls war es das Größte was LMC zu der Zeit zu bieten hatte.

Unsere Route führte uns über Frankfurt und die A5 , Richtung Basel.
In Bruchsal , flog mir dann bei voller Fahrt der 5. Gang heraus. Diesem Ereignis habe ich aber noch keine große Bedeutung zugemessen. Wir erreichten schließlich sehr spät am Abend unser erstes Etappenziel im Schwarzwald und standen ruhig auf einem Parkplatz.

Am nächsten Morgen ging die Fahrt weiter über Mühlhausen , Belford und die RN 83 , Richtung Lyon. Unterwegs flogen noch des öfteren die Gänge raus und ab und zu hörte man auch sehr unangenehme Geräusche aus dem Motorraum. Aber bei einem Halt und einer ausgiebigen Inspektion des Motors und der Antriebsteile, konnten wir nichts außergewöhnliches feststellen.
Wir schafften es auch noch, ohne, daß noch mal etwas passierte, zu unserem 2. Etappenziel, einem sehr schön gelegenen Campingplatz bei Vienne, südlich von Lyon zu kommen.
Von dort, frisch gestärkt und mit wieder vollen Wassertanks ging es weiter ,durch das Rhone Tal über die RN 86 runter, Richtung Montpellier.

Nach einigen Kilometern ging es wieder los mit den Geräuschen und der 2 u. 3. Gang ließen sich nur noch sehr schwer einlegen. Mir schwante böses. Hatte ich doch schon im Vorfeld von den Getriebeproblemen des Fiat Ducato gehört. Aber das konnte es ja nicht sein. Wir ja einen Peugeot J5 und und keinen Ducato und der hatte erst knapp 8000 Km auf dem Buckel. Trotzdem, das mulmige Gefühl in der Magengegend blieb und sollte sich auch noch gewaltig steigern.


Dann war es irgendwann so weit. Das Schicksal traf uns im abgelegenen Provinz Städtchen Bagnos sur Cete´, in Südfrankreich.
Aus dem Motorraum drangen plötzlich furchtbare Geräusche an unsere Ohren , und man konnte nur noch im 2. Gang fahren. Da sah ich vor meinen Augen ein Peugeot Schild auftauchen , genau zur richtigen Zeit.
Ich fuhr auf den Hof der Werkstatt und suchte mir einen Fachmann. Ich fand ihn auch gleich in der Gestalt des Meisters. Mit Händen und Füßen versuchte ich ihm unsere Lage klarzumachen.

Und nach einer Probefahrt von 50 Metern , wußte er auch schon was defekt war.
Nach dem Aufbocken unseres Fahrzeuges teilte mir ein Monteur mit, daß kein Tropfen Öl mehr im Getriebe sei.....  

Und das Getriebe hin ist. !!!!!!!

Aber er sagte mir auch gleich, daß ja noch Garantie auf das Getriebe ist und man es austauschen würde. Nur , daß man kein passendes Getriebe an Lager hätte und erst eins bestellt werden müsse.
 Das würde ca. 4- 5 Tage dauern. Wir hatten natürlich keine Lust unseren Urlaub in diesem Nest zu verbringen und mir kam mein ADAC Schutzbrief wieder in den Sinn.
Eine Rücksprache mit unserem Vermieter ergab nur, er hat kein Ersatzfahrzeug und wir sollen unseres reparieren lassen...

Jetzt standen wir blöd da rum. Also beim ADAC anrufen.

Dort schilderte ich unser Problem und eine freundliche Dame sagte mir, man werde sich um eine Lösung kümmern und zurückrufen.
10 Minuten später rief der ADAC dann zurück und man teilte uns mit , man werde am nächsten Tag ein Getriebe herbeibringen , für uns würde ein Hotel gebucht sein und ein Leihwagen bereit stehen.
Das war in unserer Situation super und der Urlaub schien doch noch weiter zu gehen.
Der freundliche Meister brachte uns dann noch zur Autovermietung und zum Hotel . Am nächsten Morgen fuhr ich dann zur Werkstatt um das weitere Vorgehen abzustimmen. Um 11.00 Uhr war das Getriebe dann schon da und der Meister versprach sofort mit dem Einbau zu beginnen und ich sollte so um 17.00 Uhr noch einmal nachhören

Den ganzen Tag über haben wir uns dann Bagnols sur Cete angesehen und so verging die Zeit recht schnell beim Einkaufen und Essen.
Um 17.00 Uhr fuhren wir dann alle gemeinsam zur Werkstatt .
 
Aber ich sah schon, unser WoMo stand noch aufgebockt in der Halle. Voll böser Vorahnung ging ich ins Büro, aber der Meister kam mir schon entgegen und versuchte mir klarzumachen, daß das Fahrzeug fertig sei und nur noch Getriebeöl eingefüllt würde und eine Probefahrt gemacht werden müßte.        

Einkaufsbummel in Bagnoles

Noch ca . eine Stunde warten, dann ist alles fertig.

Nach der Stunde war dann auch wirklich alles fertig. Als ich nach der Rechnung fragte , entgegnete mir der Meister, ich müsse nur das Öl bezahlen, der Rest sei ja Garantie. Das war natürlich eine schöne Nachricht.
Auch Hotel und Leihwagen waren schon vom ADAC bezahlt. Das nenne ich Service und ich kann dem ADAC nur danken für so eine perfekte Hilfe in einer Notlage. Und jedem WoMo Besitzer kann ich nur raten einen Schutzbrief dabei zu haben.

 Da es schon sehr spät war, brachte uns der freundliche Meister noch zum örtlichen Campingplatz, wo wir dann noch eine ruhige Nacht verbracht haben. Ruhig, wahrscheinlich auch deshalb, weil mein Schwager und ich erst mal unseren Ärger mit einer größeren Menge Bier runter gespült haben.
Der Urlaub verlief dann weiter , ganz ohne allzugroße Probleme.

 Auf einem Campingplatz in Spanien habe ich nur noch etwas den Alkoven unseres WoMo´s an einem Ast gerammt. War aber nur eine kleine Beule, die unsere Urlaubsstimmung nicht mehr trüben konnte.

Als ich das WoMo nach unserem Urlaub zurück gebracht habe , war mir klar, daß es nächstes Jahr wieder mit dem WoMo auf Achse geht. Denn einmal ausprobiert, kommt man nicht mehr davon los.
Übrigens brauchte ich für 3 Tage keine Leihgebühr zu zahlen und das Geld für Öl und Telefon bekam ich auch zurück.

Dann kam der Sommer 1990 und natürlich war wieder Urlaub Im Wohnmobil angesagt.
Aber das ist eine andere Geschichte mit unserem Globetrotter A423.

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